Entwicklertagebuch JTL-Plan&Produce und JTL-Workbench
Marc Völker Marc

Product Owner "Produktionsmodul"

Entwicklertagebuch JTL-Plan&Produce und JTL-Workbench

Das letzte Entwicklertagebuch zu JTL-Plan&Produce und JTL-Workbench haben wir Ende letzten Jahres veröffentlicht – und natürlich sind seitdem wieder viele neue Features entstanden! Auch sonst gibt es einige Neuigkeiten im Bereich unseres „Produktionsmoduls“, die wir Euch mit dem heutigen Update gerne genauer vorstellen wollen.

Reguläre Produktion und assistiertes Produzieren

Die reguläre Produktion – also eine Serien- oder Chargenproduktion mit klar definiertem Produkt – war einer der ersten Bereiche, denen sich unsere Entwicklung gewidmet hat, als es mit dem „Produktionsmodul“ losging. In den letzten Monaten lag der Fokus darauf, JTL-Plan&Produce, den Verwaltungsteil unserer Software, noch enger mit JTL-Workbench, dem eigentlichen Produktionstool, zu verzahnen: Ziel war es, über JTL-Plan&Produce Anweisungen für den Produktionsmitarbeiter in Form von Bildern oder Texten anlegen zu können, die ihn dann assistiert durch die reguläre Produktion leiten.

JTL-Plan&Produce: Definition Arbeitsgang

Dazu haben wir die Option geschaffen, in JTL-Plan&Produce sogenannte Arbeitsgänge anzulegen und um Arbeitsschritte in Bild- oder Schriftform ergänzen zu können. Zudem haben wir in JTL-Workbench eine Oberfläche entwickelt, die es dem Produktionsmitarbeiter erlaubt, jeden einzelnen Arbeitsschritt manuell zu bestätigen, sobald dieser erledigt ist.

Die reguläre Produktion befindet sich aktuell im Einsatz bei einem ersten Pilotkunden, der damit Schließzylinder nach Kundenanforderung herstellt. Sein Feedback wird für uns die Grundlage weiterer Optimierungen bilden.

Assistiertes Produzieren

Wie Ihr seht, sind wir im Bereich des „assistierten Produzierens“ schon einen großen Schritt weitergekommen und die Zusammenarbeit mit dem Pilotkunden hilft zusätzlich. Die Ergebnisse aus dem produktiven Einsatz zeigen uns aber auch, dass hier noch ein gutes Stück Arbeit vor uns liegt: Die Komplexität des assistierten Produzierens ist enorm und wurde bislang in keinem anderen Modul von JTL jemals so umgesetzt. Trotzdem müssen wir mit JTL-Workbench beispielsweise ermöglichen, die Produktion zum Werksschluss zu pausieren, alle Systeme herunterzufahren und den aktuellen Produktionsstatus dennoch lückenlos zu speichern.

Dazu waren vor allem viele konzeptionelle Überlegungen darüber notwendig, an welcher Stelle der Produktion eine Unterbrechung erfolgen kann. Außerdem mussten wir eine kontinuierliche Datenspeicherung innerhalb dieses Bereichs erstellen, um nicht nur ein Pausieren der Produktion zu ermöglichen, sondern auch eine komplette Ausfallsicherung zu gewährleisten.

JTL-Workbench: Screenshot Arbeitsgänge
Screenshot: Arbeitsgänge: Was erledigt wurde
JTL-Workbench: Zustände nach Produktionsabschluss

Ressourcenplanung für Arbeitsgänge

Die neu hinzugefügten Arbeitsgänge sollen im nächsten Jahr um eine Ressourcenplanung ergänzt werden. Damit wird es möglich sein, Fertigungsaufträge sauber zu planen.

Bislang verfügt JTL-Plan&Produce zwar nur über die Option einer „Ad hoc“-Fertigung, allerdings kann das System Minus- und Plusbuchungen schon automatisiert erstellen. Für eine „langfristige Planung” werdet Ihr diese dann in einem ersten Step in einem sog. Gantt-Chart planen können. Eine solche Darstellungsweise zur Abfolge von Aktivitäten dürften einige von Euch aus dem Projektmanagement kennen. Diese wollen wir für JTL-Plan&Produce nutzbar machen: Die einzelnen Produktionsschritte werden dann in Form von Balken entlang einer Zeitachse dargestellt.

Ein zweiter Step sieht anschließend vor, die Planung durch das System völlig automatisiert erfolgen zu lassen. Ihr müsst dann nur noch einen Fertigungsauftrag auswählen und JTL-Plan&Produce übernimmt für Euch die komplette Ressourcen- und Produktionsplanung. Letzteres ist allerdings noch Zukunftsmusik. Und wie heißt es so schön: Ein Schritt nach dem anderen!

Plan&Produce: Fertigungsauftrag für planbare Produktion

Neue Funktionen in JTL-Workbench

Im Zuge unserer Arbeiten am Bereich „reguläre Produktion“ haben wir JTL-Workbench um wichtige Funktionen ergänzt, die Ihr bereits aus JTL-WMS kennen dürftet. Dazu gehören ein Mindesthaltbarkeitsdatum, das sich durch die innerhalb der Produktion verwendeten Komponenten immer neu ergibt, ebenso wie Chargen.

Die Herausforderung für uns bestand darin, dass man durch das entstehende Produkt zu jeder Zeit Rückschlüsse auf die eingesetzten Artikel und die damit verbundenen Lieferantenbestellungen ziehen können muss. Wir mussten also spezielle Dialoge entwickeln, die erfragen, ob das neu entstehende Produkt ein MHD oder Chargen erhalten soll, sobald einer der verwendeten Artikel in der Stückliste diese Informationen enthält.

In den kommenden Wochen werden wir diesen Bereich weiter optimieren und zusätzlich um die Möglichkeit einer Plus- und Minusbuchung ergänzen.

Um dabei entwicklungsseitig flexibel zu bleiben, haben wir uns für eine Schnittstelle entschieden, die sich um Plugins erweitern lässt. So haben auch unsere JTL-Servicepartner die Möglichkeit, Euch individuelle Lösungen anzubieten und diese direkt bei Euch zu implementieren.

Plugin-Fähigkeit von JTL-Workbench

Über die besagte Schnittstelle erweitern wir also die Plugin-Fähigkeit von JTL-Workbench zugunsten einer Individualisierung des Produkts. Die Arbeit mit unseren Pilotkunden hat uns nämlich noch einmal vor Augen geführt, wie stark die jeweilige Produktion von dem abhängig ist, was produziert wird – und dass es hier eben keine „one-fits-all“-Lösung geben kann.

Damit Ihr JTL-Workbench im Bereich Automatisierung auch ohne fundierte Programmierkenntnisse individualisieren könnt, haben wir uns für den Einsatz von Blockly entschieden:

Blockly

Blockly ist ein visueller Code-Editor, mit dem Ihr grafische Blöcke zur Darstellung von Programmierkonzepten wie Variablen, logischen Ausdrücken, Schleifen usw. nutzt. Auf sehr spielerische Art und Weise könnt Ihr mit Blockly Logiken schreiben, um auf Ereignisse zu reagieren, Prozesse anzustoßen und die Steuerung von Maschinen zu realisieren. Somit geben wir Euch mit Blockly ein leicht zu bedienendes Tool an die Hand, mit dessen Hilfe Ihr Automatisierungsprozesse in JTL-Workbench realisieren könnt. Die Integration dieser Technologie dauert an und wird uns in den nächsten Wochen weiter beschäftigen.

Blockly in JTL-Plan&Produce

WMS-Features für die Produktion

Unsere Lagerverwaltung JTL-WMS hat natürlich viele Überschneidungen mit JTL-Plan&Produce, so dass wir einige der dortigen Features in unser Produktionsmodul integriert haben. Unter anderem die Funktion „Nachschub bestellen“: Mit ihr lassen sich Produkte aus Eurem Lager, wie Ihr es für Verkaufsaufträge kennt, für einen bestimmten Arbeitsplatz reservieren. JTL-Workbench benachrichtigt Euch automatisch, wenn diese Produkte nicht vorhanden sind und Nachschub bestellt werden muss.

JTL-Workbench: Arbeitsplatz definieren

Gleichzeitig haben wir die Option einer Picklistenerstellung integriert, bei der ein Kommissions-Mitarbeiter wegeoptimiert zu den richtigen Lagerplätzen geführt wird, um die benötigten Produktionsartikel zu picken. Nach der Kommissionierung erhält der Mitarbeiter dann genaue Anweisungen, zu welchem Arbeitsplatz er die gepickten Artikel bringen muss. Am Ende des Prozesses steht die Arbeit am Fertigungsplatz mit JTL-Workbench, wo das System dem Produktionsmitarbeiter genaue Instruktionen gibt, wie er die gepickten Artikel richtig zusammensetzt (siehe assistierte Produktion).

JTL-Workbench: Nachschub Produktion
JTL-Workbench: Nachschub Produktion Lagerplatzbestätigung
Ausblick

In den kommenden Monaten werden wir ein besonderes Augenmerk auf die Zusammenarbeit mit unseren Pilotkunden legen und die Ergebnisse ihrer Produktion intensiv auswerten. Mit dem Start der Open Beta von JTL-Wawi 1.6 haben wir dann die Möglichkeit, neue Pilotkunden aufzuschalten.

Das Interesse an JTL-Plan&Produce ist nach wie vor groß, so dass wir auch unsere JTL-Servicepartner auf die Arbeit mit unserem Produktionsmodul vorbereiten wollen. Dazu planen wir aktuell ein Schulungsprogramm, das in einer speziellen Produktions-Zertifizierung münden soll.

Es bleibt also auch in den kommenden Monaten spannend und wir freuen uns, mit vergrößertem Team an JTL-Plan&Produce und JTL-Workbench zu arbeiten. Über Neuigkeiten halten wir Euch natürlich auf dem Laufenden. Ein Grund mehr also, regelmäßig in unserem JTL-Blog vorbeizuschauen. 🙂